Hello World!

Ich bin Programmierer – seit 30 Jahren. Wann immer ich eine neue Programmiersprache lernte tat ich das, was Programmierer in so einem Fall machen: ich schrieb ein Hello-World-Programm. Es ist dies nicht mein erstes Blog, aber dennoch fühlt es sich wie ein Neubeginn an. Also los: Hello World!

Hallo Leben! Ich bin seit 46 Jahren auf dieser Erde und stehe kurz vor meinem 4. Geburtstag. Die neue Zeitrechnung begann am 19. März 2010, als in meiner Lunge ein Prozess gefunden wurde. Diese medizinische Umschreibung für „etwas, das da nicht hingehört“ wurde nur eine Woche später als Lungenkrebs diagnostiziert. Dies sollte mein Leben nachhaltig verändern.

Meine 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit liegt irgendwo zwischen 13 und 20 Prozent, d.h. ich habe gute Chancen, meinen fünften Geburtstag nicht zu erleben. Andererseits bin ich ein Dickschädel und habe mir vorgenommen, die Statistik zu verbessern.

Seit vier Jahren rauche ich nicht mehr. Und seit vier Jahren treibe ich Sport. Vor 3,5 Jahren lehnte ich eine Operation ab und seit drei Jahren habe ich keinen Tumor mehr. Vor vier Jahren hatte ich meine eigene Firma aufgebaut und konnte meine Familie prima damit ernähren. Bequem von daheim. Dafür sah ich die Sonne damals meist nur vom Fenster.

Heute habe ich keine Firma mehr. Ich trinke seit zwei Monaten kaum noch Alkohol, aber wenn, dann genieße ich ihn. Wann immer die Sonne scheint, zieht es mich hinaus und so habe ich selbst jetzt einen dunkleren Hautton, als in manchem Sommer zuvor. Ich treibe regelmäßig Sport und versuche mich seit Beginn dieses Jahres mit täglichem Laufen.

Im Herbst 2011 nahm ich zum ersten Mal an einem Selbsterfahrungsseminar teil, der Schatzsuche. In meinem ersten Leben habe ich so etwas gerne als esoterischen Quatsch bezeichnet und mich nicht damit befasst. Aber wenn man so aus der Bahn geworfen wird, bewertet man vieles neu. Jetzt, im Januar 2014, habe ich bereits 5 Seminare besucht und freue mich auf das 6., das Mitte Februar geplant ist und hoffentlich stattfindet.

Mir wird nachgesagt, dass ich gut mit Worten umgehen kann. Und in der Tat empfinde ich Freude beim Schreiben an sich und dem Formulieren im Besonderen. So liegt es nah, meine Geschichte aufzuschreiben, um etwas an die Welt zurückzugeben.

Mit Krebs umzugehen ist nicht einfach. Weder für die Betroffenen noch für die Angehörigen, Freunde und Bekannten. Zu viel Scham ist dabei, man redet nicht gerne darüber. Ganz so, als ob man eine ansteckende Krankheit hätte und noch selber schuld daran wär. Es ist peinlich. Und die Menschen rings herum wollen helfen und haben sehr viele Ideen, was man tun könnte oder besser lassen sollte.

Hallo Welt! Hallo Leben! Ich lebe noch! Ich bin fit wie ein Turnschuh und habe im letzten Jahr drei Tage pro Woche gearbeitet. Dieses Jahr sind es schon vier Tage und ich werde alles tun, mir diesen einen freien Tag unter der Woche zu bewahren. Er ist Gold wert und kann mit Geld nicht aufgewogen werden. Er schafft mir Freiraum. Seit einiger Zeit male ich Aquarelle. Jetzt habe ich Acrylfarben und eine Staffelei, die aber noch nicht so recht eingeweiht sind. Das Malen entspannt mich.

In meinem ersten Leben konnte ich mit Malen nichts anfangen. Obwohl ich mich vielleicht korrigieren muss, denn „etwas mit einem Thema anzufangen“ bedeutet, dass man darüber nachgedacht hätte. Hatte ich aber nicht. 

Ich habe eine Frau und zwei Kinder. Sie werden in diesem Blog wohl eine Randerscheinung sein. Das liegt nicht daran, dass ich nichts über sie zu erzählen hätte oder sie nicht herzeigen wollte. Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, eine sehr attraktive Frau und hübsche Kinder zu haben. Aber dieses Blog geht über den Krebs. Meinen Krebs. Und so hart es an dieser Stelle klingen mag: nur Du hast die Möglichkeit, den Krebs anzunehmen und ihn vielleicht zu besiegen. Niemand sonst. Dein Partner nicht, Deine Kinder nicht, Deine Freunde nicht und auch kein Arzt. Sie alle tun ihr Bestes, um Dir zu helfen. Sie wollen es und sie können Dir Trost spenden, wenn Du ihn brauchst. Aber die Entscheidung, was mit Dir passiert, liegt bei Dir. Gib sie niemals aus der Hand. Nie. Wenn Du das tust, wirst Du sterben. Denn wenn Du die Entscheidung aus der Hand gibst, dann hast Du im selben Augenblick aufgehört, an Dich zu glauben. Hör niemals damit auf.

Ich liebe das Leben. Und ich schreibe bewusst nicht „ich liebe mein Leben“. Nein, ich liebe DAS LEBEN. Und darüber möchte ich schreiben. Ich werde schreiben über das Erlebte. Möge es von Nutzen sein! Und ich werde schreiben über meine sportlichen Aktivitäten. Hier und da auch über Familie und Freunde, aber im Wesentlichen spüre ich das Bedürfnis, mit meiner Geschichte Mut zu machen. 

Zu leben ist toll.

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Über Weißer Läufer

Ich bin 46 Jahre alt und programmiere seit meiner Jugend. Dieses Hobby wurde mein Beruf und ist es heute noch. Mit 42 Jahren wurde Lungenkrebs diagnostiziert. Seitdem hat sich mein Leben positiv gewandelt, so dass ich dem Krebs im Nachhinein dankbar bin.
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