Aus Rückenschmerzen wird Lungenkrebs

Als man mir sagte, dass ich Lungenkrebs habe, wusste ich mit der Situation nichts Rechtes anzufangen. Ich spürte keine Angst oder Panik. Ich fühlte mich noch nicht einmal krank. Entdeckt wurde der Tumor auch eher zufällig. Im Dezember 2009 oder Januar 2010 bekam ich Rückenschmerzen, die mit der Zeit schlimmer wurden. Meine erste Vermutung war, dass meine Rückenmuskulatur durch meine überwiegend sitzende Tätigkeit mal wieder so degeneriert war, dass ich eine erneute Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio in Betracht ziehen müsste. Und ich ärgerte mich, dass ich beim letzten Mal nicht konsequent dabei geblieben war.

Was nicht so recht passte war das hinzukommende nächtliche Schwitzen, wodurch ich immer häufiger fröstelnd aufwachte und mich umziehen musste, um weiterschlafen zu können. Aber auch tagsüber hatte ich mehr und mehr mit Schmerzen zu kämpfen und brauchte Auszeiten, die ich mir aufgrund meiner damaligen Selbständigkeit und überwiegenden Heimarbeit aber ausreichend nehmen konnte. Der Besuch eines Orthopäden schien meine Vermutung dann zu bestätigen. Mir wurde gesagt, dass mein Brustkorb leicht verschoben und das Gewebe dadurch an einigen Stellen entzündet sei. Mir wurde Krankengymnastik verordnet, die ich auch zügig antrat.

Die Krankengymnastin revidierte das Urteil der Ärztin und teilte mir mit, dass ich eine ausgerenkte Rippe hätte und dies die Ursache für die Schmerzen sei. Sie renkte sie mir ein und brachte mir Übungen bei, mit denen ich die Muskulatur stärken konnte. Die Rippe sprang zwar einige Male wieder hinaus, aber nach ein paar Wochen war ich soweit gestärkt, dass sie dauerhaft an ihrem vorgesehenen Ort blieb. Die Schmerzen ließen spürbar nach und es schien nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder vollkommen schmerzfrei sein würde. Aber es kam anders.

Anfang März 2010 schlug ich erneut bei meinem Hausarzt auf. Meinem Rücken ging es blendend, aber im Bereich des linken Schulterblattes gab es eine Stelle, die weiterhin unangenehm war und sich einfach nicht bessern wollte. Der Doktor veranlasste ein Blutbild, in dem eine Entzündung nachgewiesen wurde. Und da er auf dem Ultraschall nichts erkennen konnte, überwies er mich zur Radiologie. Dort sollte ich angeben, wo die Schmerzen seien, damit die Ursache endlich gefunden würde.

In der Radiologie wurden einige Aufnahmen gemacht und ich nach kurzer Zeit zum Radiologen gerufen. Er zeigte mir zuerst meine Rippen und erklärte, dass sie alle am Platz waren. Dann deutete er in die Nähe des Bereichs, in dem ich die Schmerzen hatte und sagte etwas von einem Schatten. Dies könne Wasser sein, eine Entzündung oder alles Mögliche andere. Und ob ich noch etwas Zeit hätte, um ein CT zu machen.

Ich hatte Zeit und wurde recht schnell zum CT gerufen und als ich zum zweiten Mal zum Radiologen gebeten wurde, sah das Bild schon etwas klarer aus. Da war auf einem Schwarz-Weiß-Foto mein Oberkörper abgebildet und im Bereich der Lunge war ein großer weißer Bereich, der als „Prozess“ beschrieben wurde. Meine verständliche Frage, was „Prozess“ bedeute und was es genau sei wurde so beantwortet, dass er es nicht wisse und es abgeklärt werden muss. Damit schickte er mich zurück zu meinem Hausarzt und wünschte mir viel Glück. Das war am 19. März 2010, dem Geburtstag meines Vaters. Es ist auch der Tag, an dem ich aufhörte zu rauchen.

Am folgenden Wochenende rief mich mein Hausarzt an und teilte mir mit, dass ich am Montag in der Lungenfachklinik in Gauting vorstellig werden und ein paar Sachen einpacken solle, weil ich ein paar Tage dableiben müsste. Auch er wünschte mir viel Glück – ist so ein Standardspruch. Wusste ich damals aber noch nicht. Das Wochenende war schlimm, vor allem für meine Frau. Und irgendwie war es für mich leichter, als ich die nächsten Tage im Krankenhaus verbringen konnte.

Vom 22.-26. März 2010 ließ ich dann einige sehr unangenehme Untersuchungen über mich ergehen. Und am Ende standen das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom und ein Pancoast-Tumor. Ganz plötzlich war aus simplen Rückenschmerzen Lungenkrebs geworden. Mit dieser Nachricht setzte ich mich ins Auto und fuhr nach Hause, wo meine Frau auf mich und die Diagnose wartete.

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Über Weißer Läufer

Ich bin 46 Jahre alt und programmiere seit meiner Jugend. Dieses Hobby wurde mein Beruf und ist es heute noch. Mit 42 Jahren wurde Lungenkrebs diagnostiziert. Seitdem hat sich mein Leben positiv gewandelt, so dass ich dem Krebs im Nachhinein dankbar bin.
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Eine Antwort zu Aus Rückenschmerzen wird Lungenkrebs

  1. Eine schockierende Geschichte… es freut mich, dass es dir anscheinend mittlerweile wieder besser geht! Deine Schilderung zeigt, dass man jedes Zeichen des Körpers ernst nehmen sollte. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!

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