Laufstatistik

Ich gebe zu, dass ich einen gewissen Hang zu Statistiken habe. Woher das kommt weiß ich nicht, aber im Zweifel würde es nichts ändern, wenn ich es wüsste. Seit April 2010 notiere ich meine Fahrradtouren und Läufe und kann so auf eine recht umfangreiche Datensammlung schauen. An viele dieser Reisen kann ich mich erinnern und das Betrachten der Zahlen, verbunden mit meinen Kommentaren zu Wetter und Strecke, ermöglichen mir eine Art Zeitreise.

Heute aber musste ich der Statistik des Jahres 2014 zu Leibe rücken. Ich war so darüber erstaunt, dass sich mein Lauf-Tempo von Januar auf Februar um 30 Sekunden pro Kilometer verbessert haben sollte, dass ich die Formeln im von mir gebauten Excel-Sheet untersuchte und dabei feststellte, dass ich bei der Berechnung des Tempos Laufen und Walken vermischt hatte, während ich bei der Herzfrequenz das Walken herausgerechnet hatte. Mit den korrigierten Formeln ergibt sich zwar noch immer eine Steigerung, aber sie fällt bei weitem nicht mehr so drastisch aus:

  • Januar: 163,86km Joggen in 6:34min/km bei einer HF von 81,3%
  • Februar: 164,91km in 6:19min/km bei einer HF von 79,2%
  • März (bis 10.3): 57,37km in 6:14min/km bei einer HF von 78,3%

Ich kann mich durch solche Zahlen sehr motivieren, denn trotz der mittlerweile 58 Läufe und 6 Walkingeinheiten in 2014, bedarf es ab und an genau dieser Extra-Motivation, um nicht nachzulassen.

Bleibt zu klären, warum ich das an dieser Stelle in die Welt posaune. In meinem ersten Beitrag auf diesem Blog schloss ich mit den Worten, „dass ich im Wesentlichen das Bedürfnis spüre, mit meiner Geschichte Mut zu machen“. Und genau das ist der Grund, warum ich mich dazu entschlossen habe, diese Werte zu veröffentlichen.

Ich habe meinen Körper eine lange Zeit schlecht behandelt. Ich habe ihn mit Alkohol und Nikotin vergiftet, um vielleicht etwas mehr Energie aus ihm zu pressen. Ich fühlte mich unverwundbar, bis ich plötzlich ganz nah am Abgrund stand. Gute 25 Jahre ist es gut gegangen, mit 42 war dann Schluss. Zu früh zum Sterben.

Am 19. März ist mein vierter Geburtstag nach neuer Zeitrechnung. Vier Jahre ohne Nikotin, fast vier Jahre Sport. Mehr als 12.000km mit dem Fahrrad und mehr als 2.000km zu Fuß. Oft hat es geschmerzt, aber noch viel häufiger kam die Erkenntnis, dass dieser geschundene Körper noch so viel Kraft hat, viel mehr, als ich je gedacht hätte. Es wäre ein leichtes gewesen zu sagen, dass ich mit 42 Jahren nicht mehr anfangen muss, mein Leben zu ändern. Dass es dafür zu spät sei. Bin ich froh, es trotzdem getan zu haben!

Ich bin mit meinen Zeiten weit weg von dem, was gute Läufer in meinem Alter laufen. Die joggen bei Volksläufen locker in 45 Minuten oder weniger die 10km, während ich mit 60 Minuten kämpfe. Aber hey, ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit aus dem Stand 10km laufen und wenn ich wirklich will, dann gehen auch 20km. Und mit dem Fahrrad sind immer 100km drin und wenn ich es wirklich will, dann auch 200km. Hätte ich das vor vier Jahren für möglich gehalten? Nie und nimmer! Und wie fühlt es sich jetzt an? Absolut geil.

Es ist eine Art Sucht und wie bei anderen Drogen auch muss ich aufpassen, nicht zu übertreiben. Aber mein Körper sagt „Ja!“ und darauf vertraue ich. Auch das seit mittlerweile fast vier Jahren.

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Über Weißer Läufer

Ich bin 46 Jahre alt und programmiere seit meiner Jugend. Dieses Hobby wurde mein Beruf und ist es heute noch. Mit 42 Jahren wurde Lungenkrebs diagnostiziert. Seitdem hat sich mein Leben positiv gewandelt, so dass ich dem Krebs im Nachhinein dankbar bin.
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