Richtig oder falsch?

Bei der letzten Schatzsuche gab uns Helga eine Aussage von Marshall Rosenberg, dem Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, mit auf den Weg. Es dauerte einige Tage, bis ich seine Schönheit erkannte:

Du hast noch nie etwas falsch gemacht. Du wirst auch nie etwas falsch machen. Du wirst höchstens aufgrund dessen, was Du jetzt gerade lernst, Dich das nächste Mal für etwas anderes entscheiden.

Kein Lebewesen trifft absichtlich eine falsche Entscheidung. Wenn der Fuchs ein Kaninchen fängt, dann hat das Kaninchen Pech gehabt. Es wird aber nicht absichtlich in die falsche Richtung laufen, um dem Fuchs eine gute Mahlzeit zu sein. Und wenn meine Geldanlagen nicht so viel Ertrag bringen wie erhofft, dann kann ich mich darüber ärgern und die gewonnenen Erfahrungen beim nächsten Mal einfließen lassen.

Im Augenblick der Entscheidung kann ich also keinen Fehler machen. Wir können aber aus unseren Erfahrungen lernen und beim nächsten Mal anders reagieren, wenn dies für uns eine bessere Antwort auf die Fragestellung ist. Und das bedeutet eben nicht, dass wir in der Vergangenheit einen Fehler gemacht hätten. Das Verinnerlichen dieser Aussage kann uns helfen, ein Stück gelassener durchs Leben zu schreiten. 

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Schutzengel

Von der Erstdiagnose im März 2010 bis zum plötzlichen Verschwinden des Tumors im Januar 2011 vergingen gerade einmal 10 Monate. Das ist für Krebs im fortgeschrittenen Stadium sicher ein ungewöhnlich schneller und nicht zu erwartender Heilungsverlauf. Manche werden es als Spontanheilung bezeichnen, wieder andere als Wunder. Das Aufarbeiten dieser 10 Monate brauchte Zeit und die Jahre 2011 und 2012 verbrachte ich mit Regeneration. Die Firma, die ich zuvor mit viel Einsatz aufgebaut hatte ging dabei zugrunde, aber sie ermöglichte es uns, das Leben ohne finanzielle Einbußen weiterzuführen. Das war sicher die wichtigste Funktion, die sie je ausgeübt hatte.

Was ist ein Wunder? Wikipedia schreibt dazu folgendes: Als Wunder gilt umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann, so dass es Verwunderung und Erstaunen auslöst. Es bezeichnet demnach allgemein etwas „Erstaunliches“ und „Außergewöhnliches“. Dieser Definition kann ich mich anschließen. Zurück bleibt die Frage, warum ich gesundete und vor allem, wieso ich mir so sicher war, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Ich habe keine Antwort darauf und es ist vollkommen in Ordnung, es nicht zu wissen. Es war seinerzeit ein Gefühl und es ist auch jetzt ein Gefühl. War der Krebs nötig, damit ich mich weiterentwickeln konnte? Hatte ich einen Schutzengel, der über mich wachte? Das Auseinandersetzen mit dem Tod warf viele Fragen auf und so war ich plötzlich auch mit religiösen Themen konfrontiert.

Ich verstehe Religionen als Hilfestellungen, um mit dem Unerklärlichen umzugehen. Dieses Unerklärliche wird mit wachsendem wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt stets kleiner, aber es wird immer Grenzbereiche geben, die für unseren Verstand nicht greifbar sind. So wird heute ziemlich übereinstimmend gelehrt, dass es einen Urknall gab, aus dem unser gesamtes Universum entstanden ist. Und dieses Universum sei unendlich groß. Zumindest dehnt es sich so schnell aus, dass wir sein Ende nie erreichen können. Aber was war vor dem Urknall und was hat ihn ausgelöst? Wie groß ist unendlich und was liegt außerhalb des Universums? Man kann alles mathematisch beschreiben und zu erklären versuchen, aber wirklich begreifen kann man es nicht.

Der Tod ist eine weitere Grenzsituation. Kommt danach noch etwas? Stirbt nur der irdische Körper oder endet unsere gesamte Existenz in dem Augenblick, da unser Gehirn für immer ausgeschaltet wird? Ich halte es so, wie mit dem Denken: ich denke nicht, sondern bin. Vielleicht kann ich nach dem Tod nicht mehr denken, aber vielleicht kann ich noch sein. Ich sehe den Tod als Geburt in eine andere Welt. Und der Tod in dieser anderen Welt ist gleichbedeutend mit einer neuen Geburt in die uns bekannte oder eine ganz andere Welt. Es mag vollkommen falsch sein und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist es das auch. Aber ich habe mit dieser Vorstellung meinen Frieden gefunden und die Angst vor dem Tod endgültig abgelegt.

Was hat es nun mit dem Schutzengel auf sich? Wie mit Göttern, so tue ich mich auch mit Engeln schwer. Aber der Schutzengel ist für mich auch ein allgemeinerer Begriff. Ich hatte das Gefühl, in der zweiten Jahreshälfte 2010 ein wenig geführt worden zu sein. Nicht so, dass mich jemand an die Hand nahm und aufs Fahrrad setzte. Aber ich erhielt Gelassenheit, Sicherheit, Glaube und Zuversicht. All das war da und gab mir dieses herrliche Gefühl, mir keine Sorgen machen zu müssen. Und da ich es nicht besser in Worte fassen kann, erscheint mir der Begriff „Schutzengel“ recht treffend, auch wenn er in meinen Vorstellungen nicht auf zwei Flügeln herbeigeflattert kommt. Aber vielleicht war er, sie oder es eine Weile bei mir und hat auf mich aufgepasst. Das ist eine sehr schöne Vorstellung und ich würde dieses Gefühl gerne weitergeben, weil daraus viel Hoffnung entstehen kann. Nur merke ich, dass unsere Sprache bei weitem nicht aussagekräftig genug ist, um es annähernd so zu beschreiben, wie es war. Die Sprache bildet halt das sichtbare irdische ab, aber ich hoffe dennoch, eines Tages die richtigen Worte zu finden.

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Die Schatzsuche

Hin und wieder erwähne ich die Schatzsuche und ich habe das Schatzsuche-Blog auch auf dieser Seite verlinkt, auch wenn es derzeit noch im Aufbau befindlich ist. Die Schatzsuche ist ein Selbsterfahrungsseminar, aber häufig scheint dieser Begriff abzuschrecken. Was also ist die Schatzsuche und warum ist sie mir so wertvoll, dass ich dieses Wochenende zum sechsten Mal teilnehme?

Inhaltlich besteht die Schatzsuche aus drei großen Blöcken:

  • Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)
  • Kunsttherapie
  • Gewaltfreie Kommunikation (GfK)

Ich liebe die KBT und kann das Buch „Konzentrative Bewegungstherapie in der Praxis“ von Christine Gräff wärmstens empfehlen. Details zur KBT und den anderen Punkten finden sich im Internet und natürlich dem Schatzsuche-Blog. Die Übungen der KBT helfen bei der eigenen Körperwahrnehmung. Bewusstes Atmen führt zu Entspannung, vorsichtige Bewegungen zum Ausloten des Raumes. Hin und wieder stoßen wir dabei an Grenzen oder gehen darüber hinaus.

Unsere Sprache hat einen reichhaltigen Vorrat an Wörtern, die mit Bewegung und zusammenhängenden Gefühlen in Bezug stehen. Was bewegt Dich? Wie geht es Dir? Wie läuft es? Wir schreiten durchs Leben und schauen dem Lauf der Dinge zu. Wenn ich im Programmieren gefangen bin, habe ich einen Lauf, und wenn ich verliebt bin, rast mein Herz. Sollte es da verwundern, dass Bewegungen einen Zugang zu unserer Gefühlswelt ermöglichen können?

Durch die Kunsttherapie bin ich zum Malen gekommen. Hätte ich zuvor nicht gedacht, dass ich zu Gefühlen Farben zuordnen kann und es mit diesen Farben sogar malen kann, so weiß ich heute nicht nur, dass es möglich ist. Vielmehr ist es sogar so, dass die anderen Teilnehmer das gemalte Gefühl erkennen. Wir haben auch schon mit Ton gearbeitet und uns im Formenzeichnen geübt. All dies ist für mich eine Art des Meditierens und ich bin glücklich, den künstlerischen Aspekt in meinen Alltag integriert zu haben.

Die Gewaltfreie Kommunikation gibt einen Leitfaden, wie wir unser Reden bewusster machen können, um die Gewalt (Aggressivität) in der Sprache zu entfernen. Es erfordert viel Training und ist sehr ungewohnt, aber die dahinterliegenden Konzepte sind einfach. Statt gleich zu werten, beobachten wir. Die Beobachtung ermöglicht es, sich der eigenen Emotionen bewusst zu werden. Was macht es mit mir, wenn ich die Küche in einem unaufgeräumten Zustand vorfinde? Macht es mich traurig oder wütend? Welche Bedürfnisse habe ich? Möchte ich, dass mein Partner die Küche aufräumt? Warum möchte ich eine aufgeräumte Küche? Ist es ein Platz, an dem ich mich niederlassen möchte, um zu malen? Warum stört es mich? Wie kann ich eine Bitte an mein Gegenüber richten, die meine Bedürfnisse klar stellt, ohne verletzend zu sein?

Es ist sicher einfach etwas zu sagen wie „Ich kann die Küche wohl so oft aufräumen, wie ich will. Macht euren Scheiß doch allein, aber demnächst schmeiß ich alles weg, was länger als zwei Tage rumliegt“. Das würde einer aufkommenden Wut zwar kurzfristig ein Ventil geben, hilft aber nicht beim Verständnis, warum mir die Ordnung an diesem Platz so wichtig ist. Die folgende Bitte ist viel deutlicher: „Ich würde mich später gerne an den Tisch setzen, um zu malen. Häufig ist der Tisch vollgestellt und ich muss viel Zeit aufwenden, bevor ich ausreichend Platz habe, meine Utensilien auszupacken. Manchmal verliere ich dabei sogar die Lust und verzichte auf das Malen, obwohl es mir so gut tut. Meinst Du es wäre möglich, dass wir einen Tag in der Woche ausmachen, der mein Mal-Tag wird und an dem alle dafür Sorge tragen, dass der Tisch freigeräumt ist?“

Ich bin mir nicht sicher, ob dies ein gutes Beispiel ist, aber es sollte auch nicht komplett daneben liegen. Die Bitte im zweiten Satz enthält alles, um richtig verstanden zu werden. Und sie greift nicht an, ist also nicht verletzend. Sie beschreibt nur meine Beobachtung, meine Gefühle und mein Bedürfnis, um aus all diesen Einzelteilen eine Bitte zu formulieren. Ich finde es an dieser Stelle auch recht einfach, dies zu formulieren, da Schreiben deutlich langsamer ist, als Sprechen und ich es vor allem korrigieren kann. Etwas mehr Übung täte mir aber gut.

Das sind die Themen der Schatzsuche und es gibt einen Stundenplan, aus dem ersichtlich ist, wann was gemacht wird. Zusätzlich gibt es viele Pausen, das Plenum, die Stille, die Geschichten und gemeinsame Unternehmungen. Und hervorragendes Essen, keinen Fernseher und kein Radio oder sonstige Ablenkungen. Meine erste Schatzsuche in Aschau war im Herbst 2011. Sie dauerte sechs Tage. In diesen sechs Tagen rückte die Gruppe, die aus 8 Frauen und 3 Männern bestand, jeden Tag enger zusammen. Wir wurden eine Gemeinschaft, die zusammen aß (Franziskas Essen ist umwerfend gut), übte, spazierte, kuschelte, Anteil nahm, half, Wärme spendete und einfach da war. Nach Abschluss der Übungen und des gemeinsamen Abendmahls waren wir weiter beisammen, redeten, lachten, spielten und kamen uns immer näher.

Nach sechs Tagen waren wir so miteinander verbunden, dass wir nicht mehr fort wollten. Wir beschlossen, dass dieses Seminar nicht enden dürfe und baten Waldtraut und Helga, in naher Zukunft weitermachen zu dürfen. Wir trafen uns im Frühjahr 2012 zu einem Auffrischungsseminar. Es waren keine sechs Tage, sondern nur ein langes Wochenende, aber da wir uns schon kannten, entfiel die Anlaufphase und wir waren sofort wieder in der Stimmung, die bei der letzten Schatzsuche geherrscht hatte. Seitdem wechseln sich 6 Tage im Herbst und ein langes Wochenende im Frühjahr ab.

Mit der Zeit änderte sich zwar die Zusammensetzung der Gruppe, aber das Wesentliche der Schatzsuche blieb. Und mit den Menschen, mit denen ich seit der ersten Schatzsuche zusammen bin, verbindet mich heute eine sehr tiefe Freundschaft, die wir auch außerhalb der Schatzsuche leben. Die tiefe Verbundenheit, die wir während der Seminare spürten, wurde so Bestandteil des Alltags. Ein wunderbares Geschenk.

Anfangs war ich einer von drei Männern. Bei 8 Frauen plus zwei weiblichen Seminarleiterinnen war es vielleicht nicht besonders ausgewogen, aber die Themen der Schatzsuche scheinen Frauen wohl eher anzusprechen als Männer. Christoph hatte auch lange an mich hinreden müssen, bevor ich teilnahm. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens und ich bin ihm heute sehr dankbar dafür, dass er nicht locker gelassen hat. Bei den weiteren Schatzsuchen war ich der einzige Mann. Ich erinnere mich, dass mir beim zweiten Mal ab und an unwohl dabei war, aber danach begann ich mich jedes Mal mehr zu freuen, diese Rolle ausfüllen zu dürfen.

Man kann die Schatzsuche nicht beschreiben, man muss sie erleben. Worte reichen nicht aus, doch da wir nichts Besseres haben, entwickeln wir gerade das Schatzsuche-Blog. Es ist noch im Aufbau begriffen und wir wissen nicht, wie es sich entwickeln wird. Ich hege aber die große Hoffnung, dass meine Worte auf dieser Seite dazu führen, dass sich einige dort umsehen und anmelden. Ich habe eine Geschichte und die Schatzsuche ist untrennbar damit verbunden, auch wenn sie begann, nachdem der Krebs verschwunden war. Sie knüpft aber unmittelbar daran an und gibt mir bis heute die Kraft, das Erlebte zu verarbeiten und ein lebenswerteres Leben zu führen.

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Alternativen?

Nachdem klar war, dass die schulmedizinische Behandlung nicht den erhofften Erfolg hatte und ich meinen Glauben daran verloren hatte, machte ich In der zweiten Jahreshälfte 2010 die alternative Bioresonanz-Therapie. Der Arzt führte erneut eine genaue Untersuchung durch und prognostizierte, dass ich Ende des Jahres keinen Krebs mehr haben würde. Die Behandlung umfasste eine Stabilisierung des Immunsystems, das Lösen von Energieblockaden, Entgiftungen und vieles andere. Die wirkliche Krebstherapie kam ganz zum Schluss, weil ein Körper mit intaktem Immunsystem damit einfach besser umgehen könne.

Man muss an so eine Behandlung glauben. Punkt. Aber man muss auch an die schulmedizinische Behandlung glauben. Ebenfalls Punkt. Dennoch fällt es den meisten Menschen deutlich leichter, an die Schulmedizin zu glauben, als an alternative Behandlungen. Laut Statistik habe ich eine 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 13-20%. Mit anderen Worten sterben 80-87% der behandelten Patienten mit meinem Krankheitsbild in den ersten 5 Jahren nach der Erstdiagnose. Das ist wahrlich keine überwältigend gute Bilanz, weshalb man die klassische Behandlungsform durchaus kritisch hinterfragen darf, ohne das ganze System in Frage zu stellen. Ich hatte zu vielen Ärzten einen hervorragenden Kontakt und meine Offenheit bzgl. der Behandlung wurde teilweise durch eine Offenheit der Ärzte belohnt.

Im November 2010 erfolgte die erste Kontrolluntersuchung nach meiner Ablehnung der Operation. Sie wurde weiterhin von den Ärzten durchgeführt, die mich auch zuvor betreut hatten. Der Tumor war auf eine Größe von 3x3cm geschrumpft und der behandelnde Arzt sagte, dass dies das optimale sei, was mit der Radiochemotherapie möglich war. Er legte mir nochmals nah, über eine Operation nachzudenken, da es nun ganz sicher wieder schlechter würde. Ich war mittlerweile aber dermaßen von dem eingeschlagenen Weg überzeugt, dass ich ihm versicherte, er würde mich irgendwann als geheilt entlassen.

Nur einen Monat später, im Dezember 2010, sagte ich zu Christoph, dass ich den Krebs nicht mehr spüre und der Tumor gerade sterbe. Und Ende Januar 2011 wurde dieses Gefühl durch eine neue Untersuchung bestätigt. Der Tumor war vollständig verschwunden und zurück blieb nur vernarbtes Gewebe. Die Ärzte sagten, dass sie es nicht erklären können, aber sie wüssten, dass es jenseits der Schulmedizin Dinge gebe, die sie als Schulmediziner nicht vertreten können. Und hinter geschlossenen Türen wurde teilweise genauso über das System gewettert, wie es an Stammtischen passiert.

Die Prognose, dass ich Ende 2010 keinen Krebs mehr haben werde, war bestätigt. Dennoch will ich die Schulmedizin nicht verteufeln. So hat meine neue Sportleidenschaft auch dazu geführt, dass ich einen Bänderriss und einen Schlüsselbeinbruch auskurieren musste. Und bei beiden Verletzungen war ich froh, dass es schulmedizinische Behandlungsformen gab. Aber in vielen anderen Bereichen funktionieren die sogenannten alternativen Heilmethoden ebenfalls und sind dabei meist viel schonender. Jeder sollte sich hierzu seine eigene Meinung bilden und ideologische Ansichten außen vor lassen. Man muss an den Erfolg glauben, dann stehen die Chancen gut, dass es auch funktioniert. Das einzige, was ich unserem Gesundheitssystem wirklich anlasten muss, ist der Fakt, dass von den gesetzlichen Krankenkassen fast nur schulmedizinische Leistungen übernommen werden, womit ein fairer Wettbewerb der medizinischen Alternativen nur selten stattfindet.

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Wie fühlt sich Chemo an?

Bei Schicksalsschlägen, zu denen Krebs sicher gehört, gerät das Leben aus den Fugen. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war, oder zumindest scheint es so. Die neue Situation muss bewertet werden, aber das geht nicht so schnell. Wie sollte es auch? Wer Medizin studiert hat oder in anderer Weise mit Heilberufen in Kontakt gekommen ist, mag vielleicht eine Idee davon haben, was er tun würde. Aber wenn man sich tatsächlich in der Situation befindet, kann es ganz anders aussehen. Man versucht eine Lösung zu finden und hofft, dass es die richtige ist. Aber man weiß es nicht. Und alle anderen, die ebenfalls ihre Meinung haben, wissen es auch nicht. Es bleiben vorerst nur die Hoffnung und das Vertrauen.

Wenn der Betreffende in diesem Umfeld eine eigene Vorstellung entwickelt, wie er mit der Situation umgehen möchte, dann ist es das Beste, was passieren kann. Und sei es noch so weit von der eigenen Herangehensweise entfernt. Man muss es akzeptieren und darauf vertrauen, dass es der richtige Weg ist. Wer sollte es auch besser wissen? Man kann dabei seinen Frieden finden, ohne gleichgültig zu sein, aber ich behaupte nicht, dass es einfach ist. Vielleicht ist die folgende Logik besser zu verstehen: Zweifel helfen nicht, sie verunsichern. Unsicherheit macht Angst und Angst macht krank.

Nach zwei Zyklen Chemotherapie war mein Körper dermaßen geschwächt, dass ich lange Zeit einfach nur im Bett lag. Ich war so müde, dass es eine Qual war, mich auf den Beinen zu halten. Dazu kam der eklige Geschmack, der noch Tage nach der Verabreichung zu spüren war. Obwohl die Medikamente intravenös verabreicht werden, kommt es einem so vor, als hätte man sie getrunken. Es ist widerlich. Ein Zyklus bestand aus einem Wochenendaufenthalt im Krankenhaus, an dem die Chemo verabreicht wurde, gefolgt von einer Woche Pause. Dann folgte der Besuch der Tagesklinik für eine weitere, kleinere Dosis. Dann folgten zwei Wochen Pause. Ein Zyklus ging also über drei Wochen und beinhaltete die Verabreichung von zwei Ladungen Chemo.

Nach zwei Zyklen hatte ich viermal Chemo erhalten und es fühlte sich grauenvoll an. Ich hielt Rücksprache mit den behandelnden Ärzten und entschied, dass ich auf weitere Gaben verzichten werde. Unter der Hand teilte man mir dabei mit, dass die beiden zusätzlichen Zyklen statistisch gesehen nur noch eine minimale Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit bedeuten würden. Ich entschied mich bewusst gegen einen statistischen Wert und für die Steigerung der Lebensqualität. Ich wurde langsam zu einem mündigen Patienten.

Durch die Bestrahlung war meine Speiseröhre so in Mitleidenschaft gezogen, dass jeder Schluckvorgang unangenehme Schmerzen verursachte. Aber auch dies war irgendwann vorbei und die Ärzte beratschlagten über die anstehende Operation. Der linke Lungenoberlappen sollte entfernt werden, und da der Tumor sehr nah an den Nervensträngen lag, die zum linken Arm führten, war die Idee der durchgeführten Radiochemotherapie, den Tumor soweit zu verkleinern, dass die Operation ohne Risiko möglich war. Im Ergebnis war der Tumor aber noch genau so groß wie zu Beginn, nämlich gut 5x5cm im Querschnitt.

Es folgte ein Aufklärungsgespräch mit einem Chirurgen, der mich fast zwei Stunden warten ließ, um mir dann mitzuteilen, dass er gerade erst von seinem Wochenendausflug zurück sei und sich leider nicht auf das Gespräch vorbereiten konnte. Er sah sich schnell die Aufnahmen des letzten CTs an und meinte lapidar, dass man nicht sagen könne, ob die Nerven Schaden nehmen würden oder nicht. Das sähe man dann bei der Operation. Und da ich dann natürlich in Vollnarkose wäre, müsste ich vorab entscheiden, was sie tun sollen, wenn es eng wird: einen Teil des Tumorgewebes im Körper lassen, um die Nerven zu schonen, oder alles herausnehmen, mit dem Risiko, dass der linke Arm danach nicht mehr voll funktionsfähig sei.

Dieses Gespräch war wahrlich nicht dazu angetan, mir Mut zu machen und von dem einen auf den anderen Augenblick verschwand mein Glaube an die weitere Behandlung. Innerhalb weniger Tage entschied ich mich dazu, die Operation abzulehnen und eine alternative Therapie anzutreten.

Jetzt begann mein eigentlicher Leidensweg. Während es für mich wie eine Erlösung war und ich fortan immer überzeugter wurde, dass ich gesunden werde und es im Inneren spüren konnte, brach für mein Umfeld eine Welt zusammen. Ganz so, als hätte ich nun mein eigenes Todesurteil unterschrieben. Ich spürte, wie mir das Vertrauen entzogen wurde und es war kein schönes Gefühl. Aber die Alternative wäre gewesen, die Behandlung weiterzuführen, in die ich selbst nicht mehr vertraute. Dies ist genau der Punkt den ich meine, wenn ich sage, dass man die Entscheidung nicht aus der Hand geben darf. An diesem Punkt hätte es auch keine Kompromisse mehr geben können.

Was wäre passiert, wenn ich nun gestorben wäre? Man hätte sagen können, dass ich die falsche Entscheidung getroffen hätte. Aber einerseits wüsste man nicht, wie es nach der schuldmedizinischen Behandlung weitergegangen wäre. Vielleicht wäre ich auch dann gestorben! Da man es nicht weiß, bleibt nur eine andere Betrachtung. Sagen wir, Du überredest den Patienten dazu, eine Behandlung zu machen, die er an sich ablehnt. Und dann stirbt er. Vergleiche es mit der Situation, wenn der Betroffene selbst entscheidet und stirbt. Womit wolltest Du später leben?

Privat war es eine schwierige Zeit, aber ich habe mich enorm weiterentwickelt. Ich fand einen Zugang zu mir selbst und Christoph lehrte mich, den Krebs zu akzeptieren, statt ihn nur zu bekämpfen. Mit der Zeit sah ich den Tumor als Begleiter. Ich empfand ihn nicht mehr als Krankheit, sondern als Symptom. Und wenn die zugrundeliegenden Ursachen beseitigt wären, würde auch der Tumor verschwinden. Es klang für mich sehr schlüssig, aber ich bewegte mich auf dünnem Eis.

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Dauerlauf im Januar

Seit Jahresbeginn versuche ich täglich zu laufen oder zu walken und von drei Ausnahmen abgesehen habe ich es tatsächlich geschafft. Anfangs musste ich mich noch des Öfteren überwinden, aber etwa zur Monatsmitte hatte ich eine Routine entwickelt, die es mir deutlich einfacher machte auch in den Morgenstunden im Dunkeln hinauszugehen. Das Wetter hat sicher auch geholfen, da es nie richtig kalt wurde; die Temperaturen um den Gefrierpunkt finde ich gerade richtig toll. Kurze Unterwäsche, lange Hose und Trikot, sowie eine dünne Jacke reichen vollkommen aus und lassen noch Spielraum für kältere Tage.

Besonders berauschend für die Sinne ist für mich das Laufen in der Dämmerung. Vor zwei Tagen ging die Sonne um 7:43 Uhr auf und mein Lauf fand von 7:02 bis 7:52 Uhr statt. Schon als ich aufbrach war es nicht mehr stockfinster und während des Laufs wurde es mit jeder Minute heller und ich war mittendrin in diesem Erwachen. Den Tag so beginnen zu können ist ein Geschenk und ich bin dankbar, es annehmen zu dürfen.

An den 28 Lauftagen im Januar absolvierte ich 184km. Davon entfielen 164km auf Joggen und 20km auf Walken. So viel bin ich noch nie in einem Monat unterwegs gewesen und ich spüre, wie sich die Muskulatur in den Beinen und im Bauch anpasst. Selbst in der Brust und den Schultern kann ich es spüren. Es fühlt sich toll an.

Durch das konstante Laufen sinkt nun auch – bei gleicher Belastung – die Herzfrequenz. Auf genauere Aussagen muss ich leider verzichten, da mein Brustgurt am 20. Januar mit ersten Problemen aufwartete, die fortan immer schlimmer wurden. Batteriewechsel, Reset, Anfeuchten und all die anderen Tipps halfen nicht. Es ist der zweite Brustgurt von Garmin, der diese Probleme aufweist und es wird mein letzter sein. Ich verwendete ihn mit dem Garmin Forerunner 110, der auf den ersten 500m auch gerne merkwürdige Streckenkoordinaten aufzeichnet. Statt erneut viel Geld für einen Brustgurt auszugeben, habe ich die A-Rival SQ100 GPS Uhr bestellt und hoffe damit keinen Fehlgriff getan zu haben. Das ist immer noch Low-Budget, aber für meine Ansprüche eben absolut ausreichend.

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Ich denke also bin ich – oder doch nicht?

Ich bin kein Philosoph und strebe auch nicht danach, einer zu werden. Aber der Satz „Cogito ergo sum“ ist wohl den meisten geläufig. Ob er stimmt ist an dieser Stelle nebensächlich, denn welche Instanz könnte darüber richten. Ich habe ihn einfach deshalb als Titel gewählt, weil er mir als erstes in den Sinn kam, als ich eine Einleitung zum Thema „Denken“ suchte.

Als ich im Sommer 2010 krankgeschrieben war und die Freude am Fahrradfahren entdeckte, erwartete ich die dabei verbrachte Zeit sinnvoll zu nutzen. Ich würde sicher über meine Situation nachdenken und Strategien entwickeln, wie sie am besten zu bewältigen sei. Zu meinem Erstaunen verlief dieses Sinn-Voll aber völlig anders. Ich genoss mit vollen Sinnen die Sonne, die Luft, die Vögel, die Bäume und die Pflanzen. Und das Fahren an sich. Und da ich dies mit all meinen Sinnen tat, bekam der Verstand kaum noch Zeit. Ich brauchte ihn nicht und er blieb in einer Art Stand-By-Modus. Er sagte mir noch, wann ich zu bremsen hatte und wann ich wieder beschleunigen konnte, aber das geschah eher unterbewusst. Wirklich Denken tat ich nicht.

Hätte ich gedacht, dann wären meine Gedanken entweder in der Vergangenheit oder der Zukunft gewesen. Wie war es zu der Situation gekommen oder was würde die Zukunft bringen? Ich hätte mich in solchen Überlegungen verfangen können, um mich am Ende der Reise zu fragen, wo ich überhaupt gewesen sei. Aber ich dachte nicht. Ich fuhr. Zu dieser Zeit erahnte ich, was das „Sein“ sein könnte. Und ich stellte fest, dass ich nicht denken musste, um zu sein. Ich denke nicht – sondern bin.

Nun droht es doch ein wenig philosophisch zu werden, aber es dauert sicher nicht lange. Ich bemerkte, dass ich während des Fahrens ganz im Jetzt war. Da war absolut kein Multitasking und vielleicht mag es langweilig klingen, aber ich bin einfach nur gefahren. Und ließ die eintreffenden Bilder an mir vorüber ziehen, ohne sie zu werten. Dazu muss ich anmerken, dass ich mich auch prima in einen Sessel setzen und die Augen schließen kann. Nichts weiter, kein Buch (geht mit geschlossenen Augen eh nicht), keine Musik, Fernseher oder sonstige Ablenkungen. Einfach nur sitzen und an nichts denken. Im Liegen geht es noch besser, aber der Punkt ist, dass ich generell gut „abschalten“ kann.

Während meiner Zeit als Krebspatient hatte ich keine Angst. Die Welt um mich herum schien in Angst und Panik auszubrechen, aber ich blieb ruhig. Ich kann es nicht erklären, aber die Fähigkeit abzuschalten war sicher hilfreich. Parallel dazu las ich das Buch „Jetzt!“ von Eckhard Tolle, das mir Christoph ans Herz gelegt hatte und das ich förmlich aufsaugte. Ich beschäftigte mich mit dem Tod und merkte, dass ich auch davor keine Angst hatte. Meine einzige Befürchtung war, unter starken Schmerzen zu leiden, aber die Menschheit hat genug Medikamente entwickelt, um diese in den Griff zu bekommen.

Nachdem der Krebs Anfang 2011 verschwunden war sagten mir sehr viele Menschen, dass sie mich für die Ruhe, die ich an den Tag gelegt hatte, bewunderten und dass diese Ruhe sicher ein wesentlicher Faktor für meine Genesung gewesen sei. Ich sehe das ähnlich. Aber so toll es vielleicht auch klingen mag, es hatte einen Haken. Da ich an meine Gesundung glaubte und fröhlich durchs Leben schritt, gab es kaum Ansatzpunkte, wie man mir helfen konnte. Ich wollte ja auch gar keine Hilfe, denn es ging mir richtig gut. Ich fühlte mich in einer Art Dauer-Urlaub und nicht im Krankenstand. Aber für die Menschen, mit denen man eng verbunden ist, kann es sehr schwer sein, das zu akzeptieren. Man möchte helfen und dafür braucht man etwas, das man tun kann. Der Fakt an sich mag noch nicht problematisch sein, aber je nachdem, wie es aufgefasst wird, kann es durchaus als Zurückweisung interpretiert werden.

Es ging so weit, dass mir Menschen offen sagten, dass sie meiner Aussage, ich würde keine Angst haben, nicht glaubten. Auch wenn ich das nicht toll fand, so kann ich es heute gut verstehen. Wenn ich ohne Absicherung auf einem Seil über eine tiefe Schlucht balancieren müsste, dann hätte ich Angst abzustürzen. Und wenn dann jemand käme und behauptete, dass man einfach hinübergehen könne und Angst fehl am Platze wäre, dann hätte auch ich Schwierigkeiten es zu glauben. Würde er aber loslaufen und furchtlos auf dem Seil spazieren, dann würde ich diese Zweifel auslöschen und gebannt zuschauen. Es würde nichts an meiner eigenen Einstellung ändern. Müsste ich über dieses Seil gehen, dann hätte ich immer noch eine riesige Angst. Aber ich würde die eigenen Ängste nicht mehr auf den anderen projizieren.

Für mich war der Umgang mit den mir nahestehenden Menschen teilweise schwieriger, als der Krebs und dessen Behandlung an sich. Als ich mich zur Radiochemotherapie entschloss, gab es sehr schnell einen Fahrplan. Ich wusste, wann ich zur stationären Behandlung im Krankenhaus sein musste und wann zur ambulanten. Und die Termine für die Bestrahlung waren auch klar (jeden Werktag zur gleichen Zeit). Mit diesem festen Plan konnte ich meinen restlichen Tagesablauf gut planen. Und da die Ärzte mir sagten, dass man inmitten der Therapie keine Aussagen darüber machen könne, ob und wie gut sie hilft, machte ich mir eben auch keine Gedanken mehr darüber.

Keine Gedanken machen bedeutet, dass wenn ich in 100 Tagen ein Ergebnis erhalte, ich die 99 Tage davor genießen kann. Es gibt viele Menschen, die das nicht können. Und vielleicht mochte der ein oder andere gedacht haben, dass mir einfach alles egal sei und man mich aufwecken müsse. Ich sehe hier ein riesiges Konfliktpotenzial. Ein Mensch, der für sich einen Weg gefunden hat, mit einer großen Belastung umzugehen, erfährt durch das Unverständnis über den gewählten Weg Reaktionen seiner Mitmenschen, die belastender sein können, als die eigentliche Ursache. Aber das ist wohl menschlich.

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